DIE GLÖCKLER-LÄUFE 

UND DAS GLÖCKL-BLASEN

Die Inbetriebnahme einer Eisenbahnverbindung zwischen dem Kohlerevier im Hausruck und dem Salzkammergut brachte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgebliche Veränderungen für den Salinenort Ebensee. Allen voran stellte die Saline ihre Salzproduktion um und beheizte fortan ihre Sudpfannen nicht mehr mit Holz sondern mit Braunkohle.

Da rund zwei Drittel aller Salinenarbeiter mit der Brennholzbeschaffung beschäftigt waren, hatte diese Umstellung fatale Folgen für die Ebenseer Bevölkerung. Rund 900 Männer verloren ihren Einkommenserwerb und alsbald breiteten sich Elend und Armut aus. Es blieb deshalb nur die Bettelei übrig. Die arbeitslosen Ebenseer wollten jedoch nicht bloß um Gaben bittend von Haus zu Haus ziehen, sondern auch eine Gegenleistung dafür erbringen. Aus diesem Grund beschloss man sich dafür speziell zu kleiden. So wurden in alte Verpackungskartons der Saline Muster hineingestanzt, diese von innen mit einer Kerze beleuchtet und als Kopfschmuck getragen. Darüber hinaus trug man weiße Kleidung, welche auch als Arbeitsgewand an der Sudpfanne diente.

Im Laufe der Jahre traten anstelle der einfachen Schachteln kunstvolle Kappen. Um lautstark auf sich aufmerksam zu machen, hängten sich die Männer später auch noch Kuhglocken um.

In Folge entwickelte sich daraus der „Ebenseer Glöckler-Lauf“ welcher, schriftlichen Quellen zufolge, seit den Neunziger-Jahren des 19. Jahrhunderts als organisierte Veranstaltung nachweisbar ist. Stets am 5. Jänner (in der Nacht zum Dreikönigs-Tag bzw. in der letzten Rauh-Nacht) stattfindend, fand dieses einzigartige Brauchtum seither in vielen Teilen des Salzkammergutes und darüber hinaus (ebenso in einigen Gemeinden und Regionen unseres Bezirkes) seine Verbreitung.

Natürlich sind auch die Musikkapellen stetig bemüht dieses Brauchtum zu pflegen und weiter zu erhalten. So werden die Glöckler-Läufe immer gerne musikalisch umrahmt. In einigen Gemeinden wird sogar ein eigenes „Glöckl-Blasen“ durchgeführt, wobei die Musikkapellen in kleinen Gruppen von Haus zu Haus ziehen.

 

Foto: Mondsee, Glöckl-Blasen der Bürgermusik Mondsee | Bürgermusik Mondsee;

Abschließend gilt es noch mit einem Missverständnis aufzuräumen: Der Name „Glöckler“ leitet sich nämlich nicht von den Glocken ab, die am Gürtel der Läufer hängen - er steht insbesondere mit dem mittelhochdeutschen „klocken“ im Zusammenhang, was so viel wie „anklopfen“ bedeutet;